neue Termine der Aulen und der Stadthalle

Fahrt der Bürger- und Heimatvereinigung „Aule Mettmanner“ nach Kaiserswerth

Am Samstag, 23. April 2016 unternahmen wir einen Rundgang in Kaiserswerth „Wo die Diakonie ihren Anfang nahm“ mit unserer Gästeführerin Claudia Kuhs.


Theodor Fliedner (*21.01.1800) war ein deutscher evangelischer Pfarrer, der zusammen mit seiner ersten Frau Friederike, geborene Münster (*25.01.1800), im Jahre 1836 das erste Diakonissenhaus der Neuzeit in Kaiserswerth gründete. Seine Frau Friederike, von Beruf Lehrerin und Krankenpflegerin, wurde die erste Oberin.


Beide lernten die sozialen Nöte des beginnenden Industriezeitalters hautnah kennen. Der christliche Glaube ließ sie nach Antworten suchen, wie man den Notleidenden, an den Rand der Gesellschaft gedrängten Menschen, helfen könnte. Die Gefangenenfürsorge, die Erziehung und Bildung von Kindern sowie die Pflege von Kranken und Alten waren und sind die Felder, die die Arbeit vieler diakonischer Mutterhäuser bis heute prägen.

Das erste Krankenhaus am Marktplatz Kaiserswerth, war zuvor die Fabrik der Seidenweber, die Herr Fliedner damals zu einem 2016 04 Kaiserswerth (10)Schnäppchenpreis um 1850 erwarb. Heute ist es ein Altenheim mit einem schönen Innenhof – eine Oase der Ruhe – so haben wir es empfunden.
Im Gartenhaus der Fliedners wurde die erste weibliche Strafentlassene mit Namen Mina von Friederike aufgenommen. Sie erhielt mit weiteren Frauen Unterkunft und eine Aussicht auf eine Zukunft mit Perspektiven; denn sie hatten hier die Chance, ein Handwerk zu erlernen.
Es wurde somit die erste weltweite Ausbildungsstätte für Frauen ins Leben gerufen. Friederike war bis zu ihrem Tod mit nur 42 Jahren die Leiterin der Diakonissen.
Ihr Mann reiste viel, um für seine Arbeit zu werben und Spendengelder im In- und Ausland zu sammeln.
Ein Jahr nach dem Tod seiner Frau heiratete er seine zweite Frau Caroline, geb. Bertheau (*26.01.1811), die ihn wegen seiner Arbeit schon Jahre zuvor sehr verehrte. Sie übernahm die Arbeit und den Vorsitz des Diakonischen Mutterhauses.


Wir überquerten den Diakonissen-Friedhof und sahen die Grabsteine der Fliedners und zahlreicher Diakonissen. Das Symbol der Taube mit dem Ölzweig ist mit der Diakonie eng verbunden und heute noch das Zeichen der Kaiserswerther Schwesternschaft.2016 04 Kaiserswerth (13)
Auf dem Campus im riesigen Park befindet sich ein Pförtnerhaus. Links davon steht das ehemalige Waisenhaus für Mädchen. Die Direktorin hieß mit Vornamen Paula und so wurde es damals zum geflügelten Wortspiel „Das ist die Aula der Tante Paula“.
Für einen kurzen Moment konnten wir das Mutterhaus betreten, das 1903 als Zentrum der Diakonissen-gemeinschaft eingeweiht wurde. Einige von uns hatten die Möglichkeit im Speisesaal einen einzigartigen Wandteppich zu bestaunen. Heute ist das neugotische Backsteingebäude aus Gründertagen ein Hotel mit 55 Zimmern und Konferenzräumen; gelegen in einem idyllischen Park.


Links vom Mutterhaus gelegen staunten wir nicht schlecht über eine riesige Grube. Aus dieser Lehmgrube wurden vor Ort Ziegel gebrannt. Weiter ging es zum alten Waschhaus, welches gleichzeitig als Heizhaus genutzt wurde. Rechts von uns sahen wir das Gebäude des ersten Kinder- und Säuglingskrankenhauses. Im oberen Gebäude konnten die Mütter wohnen.


Auf dem bewaldeten Campus steht eine Bronzeskulptur von Kaiser Wilhelm III. mit einem Kind auf dem Arm. Zur Zeit leben 90 Diakonissen auf dem Gelände; einige davon in den sogenannten „Feierabendhäusern“ im Ruhestand.
Unsere letzte Etappe führte uns in das erste deutsche Pflegemuseum, welches im Jahre 2011 eröffnet wurde. Hier wurde für uns die Geschichte der Pflege eindrucksvoll dargestellt. Der original erhaltene Schreibtisch Theodor Fliedners mitsamt seinen Schreibutensilien ist im Museum zu sehen.

Neben Fliedners Lebenswerk geht es in den fünfzehn Themenräumen des Museums vor allem um die Geschichte und die kulturellen Traditionen des Pflegens und Helfens im Allgemeinen.

Eine Fürsprecherin fand das Kaiserswerther Modell zudem in Florence Nightingale, der wohl berühmtesten Person. Als noch unbekannte 21-jährige Frau wurde sie 1851 mehrere Monate lang in Kaiserswerth ausgebildet. Die wenige Jahre später wegen ihres humanitären Einsatzes im Krimkrieg (1854-1856) wie eine Heldin gefeierte Britin widmete der Fliedner´schen "Intitution of Kaiserswerth" sogar eine eigene Veröffentlichung. Sie entwickelte das Polar-Area Diagram (= Tortendiagramm) - diese Art der Visualisierung wird zur Darstellung von zyklisch wiederkehrenden Phänomenen genutzt. Sie stellte 1858 den Zusammenhang von Todesfällen und Hygienebedingungen dar. Florence Nightingale wurde über 90 Jahre alt.
Nach Fliedners Prinzip entstanden seine Einrichtungen zuerst in Amerika (1849). Es folgten London, Alexandria, Beirut, Florenz, Jerusalem usw.


Nach dieser Führung wurde im Café Schuster und der Brauerei mit Frau Kuhs noch einige Fakten vertieft und wir stärkten uns bei Kaffee und Kuchen, Bierchen etc. bevor die Busreise zurück nach Mettmann angetreten wurde.
Das war wieder ein toller Tag mit Euch/Ihnen und ich bedanke mich auch im Namen von Volker Schmidt für die schönen Eindrücke und Gespräche.

Bis bald,
Ihre Birgit Stüllenberg

* Historische Informationsquelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserswerth
http://www.nrw-stiftung.de

   

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